Rollstuhl - sitzende Person schaut in den Himmel

Rollstuhl beantragen – was dir dabei hilft

Wann musst du einen Rollstuhl beantragen?

Dein Pflegling geht mit dem Rollator. Ihr kommt beim spazieren gehen  nur sehr langsam voran.

Du hattest einen Unfall und bist jetzt auf einen Rollstuhl angewiesen.

Ihr wollt auf einen Rollstuhl umsteigen.

Welche Möglichkeiten hast du zum Beantragen des Rollstuhls?

Welcher Weg zu wählen ist hängt von deiner Krankenkasse ab.

Gehe zu deinem Hausarzt und lasse dir ein Rezept geben. Der Hausarzt entscheidet in dem Rezept schon über die Art deines Rollstuhls. Mach dir also vorab deine Gedanken darüber, wozu den Rollstuhl benötigst (siehe unten).

Der Weg übers Sanitätshaus direkt

Bei einigen Krankenkassen kannst du mit dem Rezept vom Hausarzt direkt in ein beliebiges Sanitätshaus gehen. Hier bekommst du die notwendige Beratung. Hier wird der Pfleglinge vermessen. Das Sanitätshaus reicht das Rezept mit einer genauen Kostenaufstellung bei der Krankenkasse ein. Nach ein paar Wochen ist der Rollstuhl dann verfügbar. Kaufen oder mieten möglich.

Der Weg über die Krankenkasse

Bei anderen Krankenkassen musst du mit dem Rezept / der Verordnung vom Hausarzt direkt zu deiner Krankenkasse gehen. Diese hält Listen mit ihren Vertragspartnern vor. Du meldest dich direkt bei einem dieser Vertragspartner. Der Vertragspartner regelt den Rest direkt mit deiner Krankenkasse.

Dir wird dann ein Rollstuhlmodell vorgeschlagen. Gegen Aufpreis kannst du dir aber auch ein anderes aussuchen. Gleiches gilt für Zusatzausstattungen.

Dies gilt z.B. für die

Es kann aber auch sein, dass die Krankenkasse dir am Anfang keinen neuen Rollstuhl gewährt. Dann kannst du den Rollstuhl ersteinmal Mieten.

Dies gilt z.B. für die

  • DAK (externer Link)

Wofür brauchst du den Rollstuhl?

Darüber solltest du dir schon vorab Gedanken machen, bevor du zum Sanitätshaus bzw. Vertragspartner der Krankenkasse gehst. Nimm die Liste mit deinen Antworten am Besten gleich mit.

  • Wie viel kannst du oder dein Pflegling noch laufen?
  • Wo soll der Rollstuhl im Einsatz kommen?
    • in der Stadt auf überwiegend asphaltierten Straßen
    • auf dem Land in unebenem Gelände und hügeliger Landschaft
  • Wie mobil willst du mit dem Rollstuhl sein?
    • Sehr mobil, ich will mit ihm auch an anderen Orten unterwegs sein (inkl. Reisen): Dann sollte der Rollstuhl auch ins Auto passen und leichter sein, damit er einfach in den Kofferraum kann. ggf. eine faltbare Variante oder eine bei der man die Räder abmachen kann auswählen.
    • Weniger mobil, ich möchte überwiegend von meiner Wohnung aus losziehen: Wenn du mit dem Rollstuhl direkt von deiner Wohnung aus losziehen kannst, ist auch ein schweres aber schnelleres Modell geeignet.
  • Wie oft brauchst du den Rollstuhl?
    • täglich
    • ein paarmal die Woche
    • ein paarmal im Monat
  • Wie lange brauchst du den Rollstuhl pro Ausfahrt?
    • Kürzere Ausflüge
    • Längere Ausflüge, achte auf die Widerstandsfähigkeit
  • Was willst du mit dem Rollstuhl machen?
    • Normale Fahrten
    • Sport
  • Mit wem wirst du unterwegs sein?
    • Persönlicher Assistent
    • Pflegender Angehöriger
    • Wechselnde Personen

Wonach wählst du den Rollstuhl aus?

Hier findest du eine Liste mit verschiedenen Kriterien, die für die Auswahl deines Rollstuhls wichtig sein können (je nachdem, wofür du den Rollstuhl benötigst):

  • Gewicht
  • Sitzkomfort
  • Passform
  • Sitzbreite: gemessen in Zentimetern 43, 48 usw. (dabei auch daran denken, dass du zunehmen könntest, dann kann sich auch die Sitzbreite verändern, für Übergewichte gibt es extra breite Rollstühle)
  • Lehnenhöhe: Zum bessern Sitzen ggf. höher stellen
  • Neigung der Lehne: Zum stabileren Sitzen ggf. leicht nach hinten neigen (hilft zu vermeiden nach vorne oder zur Seite zu hängen)
  • Widerstandsfähigkeit: geeignet für länger Ausflüge, unebenes Gelände usw.
  • Mobil: Auch fürs Reisen geeignet
  • Bedienbarkeit: Wenn z.B. der Assistent unterstützen soll
  • Statur persönlicher Assistent / pflegender Angehöriger
  • Unterbringungsmöglichkeit im Auto (z.B. im Kofferraum)
  • Klappbarkeit
  • Mögliches Zubehör (u.a. auch Rollstuhlschlupfsack oder Poncho)

Tipp: Überlege dir, was du Zusätzliches benötigst, um z.B. in der Nacht oder auch bei schlechtem Wetter mit deinem Rollstuhl unterwegs sein zu können.

Was für Rollstuhlarten gibt es?

Je nach Bedarf sind unterschiedliche Rollstühle vorhanden:

  • Standardrollstuhl
  • Leichtgewichtrollstuhl
  • elektrischer Scooter
  • e-Rollstuhl
  • Aktivrollstuhl
  • Pflegerollstuhl
  • Multifunktionsrollstuhl
  • Faltrollstuhl (klappbar)
  • Rollstuhl mit abnehmbaren Rädern
  • Rollator mit Rollstuhlfunktion

Ein Leichtgewichtrollstuhl, ist interessant, wenn du öfter mit dem Auto unterwegs bist. Im Vergleich dazu sind e-Rollstühle sehr schwer. Sie haben ein Eigengewicht von bis zu 200 kg.

Es gibt auch Rollatoren, die bei Bedarf in Rollstühle umgewandelt werden können. Dafür werden die “Füsse” einfach aufgeklappt.

Brauchst du eine Zusatzausstattung für den Rollstuhl?

Ist die Zusatzausstattung die du dir wünscht für dein gewähltes Rollstuhlmodell verfügbar?

Kläre mit deinem Hausarzt vorab, ob du diese Zusatzausstattung auf Rezept/Verordnung bekommen kannst.

z.B. kann es sich dabei um eine Schiebehilfe handeln. Es gibt elektrische, die besonders gut für hügeliges Gelände geeignet sind. Diese kann dir der Hausarzt ggf. verordnen.

Musst du den Rollstuhl selbst bezahlen?

Wenn du gesetzlich versichert bist prüft die Krankenkasse, ob der Rollstuhl medizinisch notwendig ist. Dafür nutzt sie auch das Hilfsmittelverzeichnis. In diesem sind alle Hilfsmittel aufgelistet, die von der gesetzlichen Krankenkasse getragen werden.

Einen Überblick darüber kannst du dir in der “Produktgruppe 18: Kranken- und Behindertenfahrzeuge” verschaffen.

Die Kostenaufteilung sieht dann folgendermaßen aus:

Tipp: Bei größeren technischen Hilfsmitteln kannst du dir durch Ausleihen die Zuzahlung ebenfalls sparen.

Falls du einen höherwertigen Rollstuhl möchtest musst du die Differenz selbst bezahlen.

Falls du Zusatzausstattung benötigst kannst du diese ggf. auch über Hilfsmittelzahlungen abdecken, z.B. Rollstuhlhalterungen für Kommunikationshilfsmittel (Produktgruppe 16 Kommunikationshilfen unter 16.99.06.0 Rollstuhlhalterungen für Kommunikationshilfsmitteln).

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Textquelle: inklusion-pflege.de
Bildquelle: Photo by james williams on Unsplash

Schlagworte: Rollstuhl, Leichtgewicht Rollstuhl, Rollstuhl bei Krankenkasse beantragen, Bewegungsbehinderung, körperliche Behinderung

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